Neurologische Frührehabilitation
Neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation (NNCHFR) Phase B mit oder ohne Beatmung und Beatmungsentwöhnung
Im Jahr 2005 eröffnete in der Dr. Becker Kiliani-Klinik die Abteilung für neurologische Frührehabilitation. Als Krankenhaus für neurologische Frührehabilitation ist sie Teil des Krankenhausplans im Freistaat Bayern, in dem sie derzeit mit insgesamt 20 Betten vertreten ist.

Wen wir behandeln
In unserem Krankenhaus für neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation (NNCHFR) behandeln wir Patient:innen mit akutem stationärem Behandlungsbedarf, die gleichzeitig frühzeitig neurologische Rehabilitation benötigen. Oft benötigen sie noch intensivmedizinische Therapien und Überwachung und Entwöhnung von Beatmung und / oder Trachealkanüle. In diesem Fall können Patient:innen mit entsprechender medizinischer Notwendigkeit von anderen Akutkrankenhäusern in unsere Klinik verlegt werden. Ein Antrag bei der Krankenkasse muss vorab nicht gestellt werden, sodass eine zeitnahe Weiterbehandlung bzw. Rehabilitation möglich ist. Damit verbessert sich die Prognose der Patient:innen, weil keine kostbare Zeit verloren geht.
Innerhalb der Dr. Becker Kiliani-Klinik ist die NNCHFR-Station räumlich von den anderen Rehabilitationsabteilungen der Klinik getrennt, sodass sich die Patient:innen hier in einem geschützten Raum befinden. Gleichzeitig profitieren diese wie auch Ärzt:innen und therapeutisch-medizinisches Personal von der unmittelbaren Nähe zur neurologischen Rehabilitation der Phasen C und D.
Die wichtigsten Rehabilitationsziele sind:
Entwöhnung von Beatmung (Weaning)
schrittweise Entwöhnung von der Trachealkanüle
regelrechte Schluckfunktion mit oraler Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
Wachheit, Wahrnehmung der Umgebung und sichere Orientierung (z.B. zu Ort, Zeit und Person)
Muskeltonusregulation (Spastikbehandlung und Kontrakturprophylaxe) und Funktionsanbahnung in gelähmten Körperteilen
stabile Kreislauffunktionen (durch z.B. Vertikalisierung und Rollstuhlmobilisation)
Beatmung und Beatmungsentwöhnung („Weaning “)
Zertifiziertes Zentrum für Beatmungsentwöhnung in der Neurologisch-Neurochirurgischen Frührehabilitation (NNFR)
Im Krankenhaus für neurologische Frührehabilitation in der Dr. Becker Kiliani-Klinik können beatmungspflichtige Patienten der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation (NNCHFR) personell, technisch und räumlich versorgt werden. Für ihre Organisationsstrukturen und ihre Ausstattung wurde die Dr. Becker Kiliani-Klinik von der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation als offizielles Zentrum für Beatmungsentwöhnung in der Neurologisch-Neurochirurgischen Frührehabilitation (NNFR) ausgezeichnet. Hier können auch Patient:innen aufgenommen werden, die mit Unterbrechungen oder dauerhaft beatmet werden müssen. Viele der Patient:innen kommen aus dem unmittelbaren Umkreis der Klinik, die mit ihrem Angebot zur wohnortnahen Versorgung beiträgt. Aber manche kommen auch aus einem Umkreis von bis zu 200 km.
Als erste Phase ihrer Rehabilitation oder auch bei neuen Patient:innen, die sich bereits bei Aufnahme in diesem Prozess befinden, werden die Beatmungspausen von Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten gemeinsam schrittweise ausgebaut und der Patient bzw. die Patientin so von der Beatmung entwöhnt. Voraussetzung hierfür ist, dass der Patient bzw. die Patientin klinisch in stabilem neurologischem Zustand ist, fieberfrei ist und seine Kreislaufverhältnisse stabil sind.
Ist die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung trotz wochenlanger Versuche während komplikationsfreier Rehabilitationszeit nicht möglich, erfolgt in der Klinik die Anpassung an ein Heimbeatmungsgerät. So kann der Patient bzw. die Patientin nach Abschluss der Rehabilitation trotz Beatmung nach Hause (mit rund-um-die–Uhr-Intensivpflege) oder in eine spezialisierte Intensivpflegeeinrichtung entlassen werden.
Die Entwöhnungsquote von der maschinellen Beatmung bei Patient:innen der Phase B ist ein wichtiger Indikator im Qualitätsmanagement. Wir haben dieses Ziel zuletzt in ca. 85% der Fälle erreicht. Die Dr. Becker Klinikgruppe verfügt über langjährige Kompetenz in der Beatmungsmedizin in zwei neurologischen Fachzentren (Bayern und NRW) der Phasen B bis D. Unser Case-Management erfasst die Weaning-Quote jährlich in einem Weaning-Formular unseres Patientendokumentationssystems. Halbjährlich erfolgt die Auswertung der Weaning-Quote mit Darstellung der Ergebnisse.
Grundlage der in der Dr. Becker Kiliani-Klinik durchgeführten Leistungen sind die Strukturvoraussetzungen zur neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation nach dem OPS 8-552 neurologische Frührehabilitation und 8-718.9 Beatmungsentwöhnung.
Umgang mit Problemkeimen
Patientinnen und Patienten, die eine Besiedlung oder eine manifeste Infektion mit einem Problemkeim aufweisen, können aufgenommen werden. Besonders gefährdet sind hierfür Patient:innen, die lange Aufenthalte auf Intensivstationen mit mehreren Antibiotikatherapien hinter sich haben, oder immungeschwächte Patient:innen aus Pflegeheimen.
Zu den bedeutendsten Problemkeimen zählen die folgenden Bakterienstämme:
Methicillin-resistenter Staphylococcus-aureus (MRSA)
Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
3 MRGN (multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikaklassen)
Wir verfügen über einen Hygieneplan, der die Versorgung dieser Patient:innen mit aufwendigen Isolierungsmaßnahmen möglich macht. Zu den Mitteln der Wahl gehören die entsprechenden Desinfektionsmaßnahmen, die Behandlung der Patient:innen in Einzeltherapie und die pflegerischen Maßnahmen zur Dekontamination.
Entlassung der Patient:innen
Unser Sozialdienst organisiert zusammen mit allen beteiligten Disziplinen die Entlassung der Patient:innen nach der Methode des Case-Managements.
Die Entlassung erfolgt unter folgenden Umständen:
Der Patient bzw. die Patientin ist nicht mehr krankenhausbehandlungsbedürftig, d. h. die Eingangskriterien der Phase C sind erreicht.
Das multidisziplinäre Team sieht bei einem stagnierenden Weaning- und Rehabilitationsverlauf über mindestens sechs bis acht Wochen kein Rehabilitationspotenzial (BAR-Vorgabe) mehr.
Die mit den Patient:innen oder Angehörigen definierten Rehabilitationsziele wurden erreicht und die poststationäre Versorgung der Patient:innen konnte durch das Entlassungsmanagement mit den Kostenträgern geklärt werden. Stimmt der Kostenträger zu, kann zusammen mit der vorgegebenen Heimbeatmungsfirma die Rückkehr des Patienten nach Hause vorbereitet werden.
Durch den direkten Anschluss der weiteren neurologischen Rehabilitationsphasen können erfolgreich rehabilitierte Patient:innen (unter den entsprechenden Voraussetzungen) weiter in der neurologischen Rehabilitation der Phase C in der Dr. Becker Kiliani-Klinik behandelt werden. Das ist u.a. möglich, wenn die Rehabilitationsfähigkeit, der Rehabilitationsbedarf und eine positive Rehabilitationsprognose bestehen und die Kostenübernahme geklärt ist.
Unser Entlassmanagement – wie es nach der Rehabilitation weitergeht
Ca. 40 % der Patient:innen der NNCHFR-Station wechseln später nach Besserung ihres Zustandes in die Rehabilitationsphase C. Dort hat die Reha zum Ziel, noch mehr Selbstständigkeit und Teilhabe am Alltag zu erlangen.
Patient:innen, die mit weiterem Pflegebedarf nach Hause, in eine Pflegeeinrichtung oder in eine andere Klinik entlassen werden bzw. deren Angehörige werden von unserem Entlassmanagement unterstützt, indem der Übergang vorbereitet wird. Dafür müssen die Patient:innen bzw. deren Bevollmächtigte in die Nachsorgemaßnahmen einwilligen. Während des gesamten Aufenthaltes schon hat ein spezialisiertes Team aus Sozialarbeitern und Hilfsmittelberatern den Entlassungstag im Auge und organisiert die notwendigen Schritte, damit nach der Entlassung die weitere Behandlung nahtlos fortgesetzt werden kann.
Hilfs- und Heilmittel, aber auch Medikamente dürfen, wenn auch nur in ganz kleinen Mengen, für die Tage nach der Entlassung verordnet werden. Auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für „die Tage danach“ darf bei Entlassung ausgestellt werden. Wenn die Patient:innen genehmigungspflichtige Hilfsmittel oder weitere stationäre Pflege benötigen, schalten wir die richtige Stelle bei der Kranken- oder Pflegekasse ein. Diese kümmert sich dann um das Anliegen der Patient:innen.
Neurologische Frührehabilitation - Eine Patientengeschichte
Einen guten Eindruck über die Notwendigkeit und Wirksamkeit der neurologischen Frührehabilitation vermittelt das Beispiel in folgendem Video