Orthopädische Rehabilitation bei Dr. Becker

Reha nach Amputation

Eine Patientengeschichte


„Man muss dranbleiben, um am Leben teilzuhaben“

18 Monate lang kämpft Eckhardt Kruse-Seiler in Krankenhäusern um sein Überleben. Als ihn nach einer Bein-Amputation keine Rehaklinik mehr aufnehmen will, sagt ihm die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik einen Platz zu. 


Am 9. Februar 2022 fällt für Eckhardt Kruse-Seiler der brutale Startschuss zu einer 18-monatigen Krankenhausodyssee. Kanülen, Schläuche und Einmalspritzen zeugen im Wohnzimmer vom erbitterten Kampf des Notarztes um das Leben des 82-Jährigen. Mit multiplem Organversagen wird Kruse-Seiler in die nächste Uniklinik eingeliefert.


Bakterien hatten sich in seinem Körper ausgebreitet, die 2018 bei einer Gefäß-OP im linken Bein in sein System gelangt sein mussten. Zusätzlich geschwächt von einer 2021 diagnostizierten Leukämie, ist der Organismus des 82-Jährigen kaum mehr in der Lage, sich gegen die Erreger zu wehren. 120 Tage liegt Kruse-Seiler in der Uniklinik, versorgt mit intravenös verabreichten Antibiotika, die nicht recht anschlagen wollen. Die Bakterien arbeiten ungebremst in seinem Körper. Drei Zehen an seinem linken Fuß sind irgendwann nicht mehr zu retten und werden amputiert.


Nachdem sich sein Zustand auf niedrigem Niveau stabilisiert hat, entscheidet die Uniklinik, ihn in die geriatrische Reha zu überweisen. Ziel ist „die Erreichung einer alltagsrelevanten Mobilität“. Kruse-Seiler hat zu dem Zeitpunkt 35 Kilo verloren; seine Muskulatur ist durch das monatelange Liegen stark reduziert.


Er selbst erlebt die drei Wochen in der Reha als „vertane Zeit“. „Die Geriatrie kam mir vor wie eine reine Verwahranstalt. Das einzige, was da interessiert hat, war mein Stuhlgang.“ Das Abschlussgespräch mit einer Ärztin führt zu einer erneuten Überweisung von der geriatrischen Rehaklinik in die Gefäßchirurgie der Universitätsklinik. Man solle sich seine Beine noch mal genauer ansehen. Die Einschätzung der Ärzte dort, hier reiche ein täglicher Verbandswechsel, will Kruse-Seiler nicht akzeptieren.





Eckhardt Kruse-Seiler


„Man selber fühlt sehr genau, ob noch was geht“
Eckhardt Kruse-Seiler



„Ich hatte den Eindruck, als hätten mich die Ärzte aufgegeben. Das wollte ich nicht akzeptieren. Man fühlt selber sehr genau, ob noch was geht“, erinnert sich Kruse-Seiler. Der ehemalige Journalist wechselt auf eigenen Wunsch in das Vinzenz-Krankenhaus. Dort ist die Diagnose niederschmetternd: Wenn er überleben will, muss das rechte Bein amputiert werden, zu weit ist die Sepsis vorangeschritten. In den ersten Schrecken mischt sich auch Erleichterung: „Ich hatte die ganze Zeit starke Schmerzen in meinem Bein. Die Aussicht auf ein schmerzfreies Leben fühlte sich auch ein bisschen an wie ein Neustart.“


Auf die Operation folgt eine erneute geriatrische Reha. Statt mit Bewegungstherapie wird Kruse-Seiler mit Rechenaufgaben à la „Wie viel ist 2x7?“ beschäftigt. Doch diesmal wehrt sich der 82-Jährige. Er will eine Rehabilitation, die ihm hilft, wieder am Leben teilzuhaben.



Begegnung auf Augenhöhe


„Ich hatte furchtbare Angst, dass mich außerhalb der Geriatrie keine Rehaklinik mehr nimmt“, gesteht Kruse-Seiler. Und er scheint zunächst Recht zu behalten – vier Kliniken weisen ihn ab. Erst die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht ist bereit, mit ihm zu arbeiten. „Herr Kruse-Seiler war damals in keinem guten körperlichen Zustand“, erinnert sich Prof. Dr. Klaus Peters, Chefarzt der Orthopädie in Nümbrecht. „Ein Standardprogramm ist mit solchen Patienten nicht machbar. Aber mein Team und ich waren uns sicher, dass wir ihm helfen können. Und letztlich auch müssen – jeder verdient schließlich eine Chance“, erklärt Prof. Peters.


Für Kruse-Seiler ist die Zusage ein großes Glück – auch, wenn er zunächst skeptisch ist. „Nach zwei erfolglosen Reha-Aufenthalten hatte ich ehrlich gesagt den Glauben an die Reha verloren. Den sollte ich in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik schnell wiederfinden.“ Gleich in der ersten Physiotherapiestunde fühlt er sich an- und ernstgenommen. „Die Therapeutin begegnete mir auf Augenhöhe. Sie forderte mich heraus, ohne Mitleid mit mir zu haben, und machte mir Mut für das, was da kommt. Das hatte ich schon lange nicht mehr erlebt, das tat so gut. Ich hab‘ geheult wie Schlosshund.“


„Die Lust am Leben ist noch da“


Unterstützt von seinen Therapeut:innen, arbeitet Kruse-Seiler hart und diszipliniert. Sein erklärtes Ziel: Im August wieder so fit zu sein, dass er die Bayreuther Festspiele besuchen kann. Langsam baut er seine Muskeln wieder auf und lernt, sich mit Prothese zu bewegen. „Ich habe nach der Amputation viel geweint. Ich fühlte meinen Körper zerstört. Erst durch die Gespräche in der Rhein-Sieg-Klinik, vor allem auch mit den anderen Patienten, habe ich erkannt, dass ich meinen Körper selbst zerstöre, wenn ich nicht die richtige Einstellung zu ihm entwickle. Die Lust am Leben, die ist ja noch da. Und leben kann ich auch mit einem Bein!“


Nach fünf Wochen verlässt Eckhardt Kruse-Seiler die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik. 18 Monate Klinikaufenthalt liegen hinter ihm. Der Sitzplatz in Bayreuth ist reserviert.